Steuerklassen einfach erklärt


Mit dem Beginn der Berufstätigkeit erfolgt bei nichtselbstständigen Arbeitnehmern die Einstufung in eine Steuerklasse. Es gibt sechs Steuerklassen, die mit römischen Zahlen beziffert werden.

Ehepartner können die Steuerklasse wählen. Alle anderen Arbeitnehmer werden abhängig von ihrem Familienstand und dem Status der Berufstätigkeit in eine Steuerklasse eingestuft. Wenn sich die persönlichen Lebensumstände ändern, kann dies einen Wechsel der Steuerklasse nach sich ziehen.

Der Nutzen der Steuerklassen

In Deutschland wird die Lohnsteuer direkt vom Einkommen abgezogen. Dies gilt für alle Arbeitnehmer, und zwar unabhängig von ihrem Status. So führt der Arbeitgeber sowohl für Lohn- als auch für Gehaltsempfänger die Steuer an das zuständige Finanzamt ab.

Die Höhe der Steuer berechnet sich nach dem Einkommen des Steuerpflichtigen. Mit steigendem Einkommen steigt auch der Steuersatz an. Für kleine Einkommen liegt dieser bei 12 Prozent. Der Spitzensteuersatz liegt bei 42 Prozent. (Stand:2019). Dieser ist nicht zu verwechseln mit der noch etwas höheren Reichensteuer.

Jeder Steuerpflichtige hat einen Grundfreibetrag. Für diesen Betrag müssen keine Steuern entrichtet werden. Dies gilt auch für Freiberufler und Selbstständige, die ihre Einkommenssteuer selbst an das Finanzamt überweisen. Der Grundfreibetrag liegt bei 9.168 Euro im Jahre 2019 und wird 2020 auf 9.408 Euro erhöht.

Steuerklassen
Für Einkommen unter dem Grundfreibetrag fallen keinerlei Steuern an.

In den Steuerklassen ist dieser Freibetrag bereits eingearbeitet. So wird von einem Einkommen, das unter diesen Beträgen liegt, keine Lohnsteuer abgezogen.

Somit haben die Steuerklassen das Ziel, einen realistischen Abzug der Steuern gemäß der Lohnsteuertabellen sicherzustellen.

Grundtabelle und Splittingtabelle

Alle unverheirateten Arbeitnehmer werden nach der Grundtabelle besteuert. In dieser Tabelle ist der Grundfreibetrag, der jedem Arbeitnehmer zusteht, eingearbeitet. Verheiratete können nicht nur spezielle Steuerklassen wählen, sondern sie profitieren auch von einer gesonderten Besteuerung.

Hier wird die Splittlingtabelle zugrunde gelegt. Das Gesamteinkommen des Ehepaares wird geteilt. Somit wird angenommen, dass jeder der Ehepartner die Hälfte des Einkommens verdient hat. Da der Steuersatz bei einem niedrigen Einkommen sinkt, ergibt sich in der Gesamtbesteuerung der Ehepaare ein Vorteil.

Die Lohnsteuerklassen im Einzelnen

Arbeitnehmer können in die Steuerklassen I bis VI eingestuft werden. Die Einstufung erfolgt automatisch oder auf Antrag. Dies ist von der Art der Steuerklasse abhängig.

Lohnsteuerklasse I:

In dieser Lohnsteuerklasse werden alle unverheirateten Arbeitnehmer eingestuft. Dabei spielt keine Rolle, ob der Familienstatus ledig, geschieden oder verwitwet ist. Die Einstufung in die Steuerklasse I erfolgt automatisch, wenn der Arbeitnehmer zu Beginn der Berufstätigkeit noch nicht verheiratet ist. Nach einer Scheidung oder nach dem Tod des Ehepartners wird der Arbeitnehmer ebenfalls automatisch in die Lohnsteuerklasse I eingestuft.

In der Lohnsteuerklasse I wird der Grundfreibetrag automatisch in die Berechnung eingearbeitet. Der prozentuale Steuersatz ist von der Höhe des Einkommens abhängig und unterliegt einer progressiven Erhöhung. Dies bedeutet, dass mit steigendem Einkommen auch der Steuersatz ansteigt.

Lohnsteuerklasse II:

In der Steuerklasse II sind unverheiratete Arbeitnehmer eingestuft, die einen Haushaltsfreibetrag beanspruchen können. Neben dem Grundfreibetrag ist dieser Haushaltsfreibetrag automatisch in die Steuertabellen eingearbeitet. Die Aufnahme in die Lohnsteuerklasse II erfolgt auf Antrag. Der Haushaltsfreibetrag wird für Alleinerziehende gewährt, die mindestens ein Kind bis zur wirtschaftlichen Unabhängigkeit in ihrem Haushalt betreuen.

Lohnsteuerklasse III:

Die Lohnsteuerklasse III richtet sich an Verheiratete. Sie kann nach der Hochzeit auf Antrag gewählt werden. Das Ehepaar entscheidet über die Wahl der Steuerklassen selbst. Das Finanzamt nimmt diese Wahl an und der Arbeitgeber führt die Beiträge entsprechend der Steuertabellen ab.

Die Steuerklasse III ist die richtige Wahl für Ehepaare, bei denen ein Partner deutlich mehr verdient als der andere. Das klassische Beispiel ist, dass ein Partner arbeitet, während sich der andere um die Kindererziehung kümmert und gegebenenfalls einem Nebenjob oder einem Minijob nachgeht.

In der Steuerklasse III bekommt der Verheiratete den Freibetrag seines Ehepartners zugebilligt. Dies bedeutet, dass sich der Freibetrag verdoppelt. Die Steuerlast kann so deutlich gesenkt werden. Hinzu kommt, dass Ehepaare nach der Splittingtabelle besteuert werden und so einen weiteren steuerlichen Vorteil genießen.

Achtung! Wenn ein Ehepartner die Steuerklasse III wählt, wird der andere automatisch in die Lohnsteuerklasse V eingestuft.

Lohnsteuerklasse V:

In dieser Steuerklasse erfolgt eine Besteuerung ab dem ersten Euro. Grund dafür ist, dass der Ehepartner in Lohnsteuerklasse III den Freibetrag bereits beansprucht. Diese Steuerklasse eignet sich für den Ehepartner, der nur ein geringes Einkommen hat und von dem Grundfreibetrag nicht profitieren würde. Auch Verheiratete ohne Berufstätigkeit sind in dieser Steuerklasseeingestuft.

Lohnsteuerklasse IV:

Diese Lohnsteuerklasse gilt als Standard für Verheiratete, in denen beide Eheleute berufstätig sind und annähernd gleich verdienen. Die alternative Steuerklassenkombination III/IV lohnt sich nur dann, wenn ein Ehepartner mindestens 70 Prozent des Gesamteinkommens verdient.

Der Steuerabzug in der Steuerklasse IV gleicht dem der Steuerklasse I, da jeder Ehepartner seinen eigenen Freibetrag in Anspruch nimmt. Die gesamte Steuerlast ist jedoch geringer als in der Steuerklasse I, da die Besteuerung nach der Splittingtabelle erfolgt.

Lohnsteuerklasse VI:

In dieser Steuerklasse wird kein Freibetrag gewährt. Sie gilt für Arbeitnehmer, die neben ihrem Hauptberuf eine zweite versicherungspflichtige Beschäftigung annehmen. Wenn es sich dabei nicht um einen Minijob handelt, müssen Steuern gezahlt werden. Da der Freibetrag bereits in Anspruch genommen wurde, gilt eine Besteuerung ab dem ersten Euro in der Lohnsteuerklasse VI.

Berthold Schadek

Berthold Schadek


Als Vorstandsvorsitzender des ALLCON Lohnsteuerhilfevereins e.V. liegt Herrn Schadek das langfristige gemeinnützige Ziel des Vereins am Herzen.

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