Steigende Steuerlast bei einer Gehaltserhöhung


Eine Gehaltserhöhung ist für jeden Menschen ein freudiges Ereignis. Der Mitarbeiter kann sich zum einen darüber freuen, dass der Arbeitgeber seine Leistungen honoriert. Zum anderen hat er fortan mehr Geld zur Verfügung, welches monatlich auf sein Konto überwiesen wird.

Doch ist es wirklich so, dass Sie nach einer Gehaltserhöhung mehr Geld auf dem Konto haben? Die Steuer kann Ihnen einen überraschenden Strich durch diese Rechnung machen.

Steuer steigt mit dem Gehalt

Die Belastung der Steuer wird abhängig vom Gehalt berechnet. Aus diesem Grund steigt die Lohnsteuerlast, sobald eine Erhöhung vom Gehalt erfolgt ist. Hierzu werden Lohnsteuertabellen herangezogen, die Auskunft darüber geben, wie viel Steuer auf den Lohn bei welchem Bruttogehalt zu zahlen ist.

Da die Steuer in Stufen ansteigt, zahlen Geringverdiener bei einer Gehaltserhöhung überproportional mehr Steuer als Personen, die gut verdienen. Dies hat zur Folge, dass bei einer Verdopplung vom Bruttogehalt nicht automatisch das doppelte Nettogehalt zur Verfügung steht, sondern weniger.

Bei einem Jahresbruttogehalt von 53.666 EUR ist die höchste Stufe der Steuer erreicht. In diesem Fall werden pauschal 42 Prozent Spitzensteuersatz bezahlt. Eine Gehaltserhöhung ist in dieser Situation lohnenswert.

Erst ab gut 255.000 EUR steigt der Steuersatz auf 45 Prozent und wird als Reichensteuersatz bezeichnet. Eine Gehaltserhöhung ist also meistens lohnenswert, doch profitieren manche Arbeitnehmer mehr als andere.

Vorsicht für bestimmte Personengruppen

Bestimmte Personengruppen könnten durch eine Gehaltserhöhung letztendlich draufzahlen, weshalb vorab genaue Rechnungen vorgenommen werden sollten. Hierzu zählen insbesondere Menschen, die Sozialleistungen empfangen.

Ein Beispiel sind die Hartz-IV-Empfänger. Liegt das Einkommen vor und nach der Gehaltserhöhung zwischen 14.400 EUR und 17.000 EUR, wird der Betrag des Mehrverdienstes 1:1 vom Hartz-IV-Satz abgezogen. Die Gehaltserhöhung macht sich auf dem Konto also nicht bemerkbar.

Aufpassen sollten aus ähnlichen Gründen auch Personen, die Wohngeld beziehen. Familien mit Kindern und einem Einkommen zwischen 28.100 EUR und 36.300 EUR könnte das Wohngeld entzogen werden, während die Gehaltserhöhung geringer ausfällt. Dies wird am Ende unter Umständen sogar ein Minus auf dem Konto ausmachen.

Gleiches kann bei Alleinerziehenden geschehen, denen durch ein erhöhtes Gehalt der Kinderfreibetrag gestrichen wird. Hier sind Rechnungen vorab somit sehr wichtig.

Alternativen zur Gehaltserhöhung

Damit die Last der Steuer für Arbeitnehmer nicht unnötig in die Höhe schnellt, sollten diese mit ihren Arbeitgebern Alternativen prüfen. Ein Arbeitgeber kann beispielsweise Computer, Smartphones oder Gutscheine für Restaurants zur Verfügung stellen, sobald er diese vorab pauschal versteuert. Darüber hinaus sind monatliche Geschenke im Wert von 44 EUR für Warengutscheine oder Tankgutscheine möglich und werden als sogenannter Sachbezug verbucht. Unversteuert kann ein Arbeitgeber außerdem Geschenke für persönliche Anlässe des Mitarbeiters in Höhe von 60 EUR machen.

Weitere steuerfreie Leistungen sind Personalrabatte oder kostenlose Überlassungen der Waren im Wert von 1.080 EUR. Ebenfalls möglich sind Werkzeuggelder, Fortbildungskosten, Umzugskosten, Kinderbetreuung für Kita, Kindergarten und Vorschule. Oder die Überlassung von Unternehmensvermögen bis zu einem Wert von 360 EUR pro Jahr.

Vorsicht ist jedoch bei allen Zuwendungen in Sachen Rente geboten. Werden Alternativen als Gehaltserhöhung verwendet, zahlt der Arbeitnehmer nicht mehr Geld in die Rentenkasse ein. Dadurch kann eine Differenz im Alter entstehen.

Lohnsteuer berechnen

Steht bei Ihnen eine Gehaltserhöhung an, errechnen Sie über den Brutto-Netto-Rechner Ihre Lohnsteuerabgabe problemlos aus. Hierdurch sehen Sie, welche Steuerkosten Ihnen entstehen und wie stark sich die Erhöhung letztendlich auswirkt. Gehören Sie stattdessen zu den Empfängern von Sozialleistungen, fordern Sie entsprechende Informationen an, sodass es am Ende keine Überraschungen gibt.

Berthold Schadek

Berthold Schadek


Als Vorstandsvorsitzender des ALLCON Lohnsteuerhilfevereins e.V. liegt Herrn Schadek das langfristige gemeinnützige Ziel des Vereins am Herzen.

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